Leonhardstr.4
89362 Offingen
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Die Offinger Donaulichtspiele
leben Filmkultur


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Offingen hat viel zu bieten, auch ein Kunstkino mit Tradition. Vor 58 Jahren, noch mitten in der Nachkriegszeit, eröffnete in Offingen ein Kino. Damals war der Fernseher im Wohnzimmer noch die absolute Ausnahme. Nur wenige Menschen konnten sich 1958 einen sündhaft teuren Fernsehapparat leisten. Kino war die angesagte Filmpräsentation.
Doch die Zeiten ändern sich. Die Preise für Fernseher sanken und damit auch die Publikumszahlen. Weil immer mehr Filmfreunde das „Pantoffelkino“ zu Hause genossen, mussten rundum die Kinos in den 60-er und 70-er Jahren schließen. Anders die Donaulichtspiele, die in den 80-er Jahren auch der Videothekenwelle trotzten und sich aktuell in der digitalen Revolution und Multiplex-Konkurrenz behaupten - mit einem außergewöhnlichen Programm einen Ruf, der weit über Offingen, ja sogar über die Landkreisgrenzen hinaus geht. Vor 28 Jahren haben der Fernsehjournalist Werner Flott und seine Frau Elisabeth das Kino von einer Offinger Betreiberin übernommen .
Das Betreiberehepaar übernahm seinerzeit ein Lichtspielhaus, das von einem Nobelkino mit Anspruch noch weit entfernt war. Am Nachmittag lief „Auf dem Highway ist die Hölle los“, Nachts fuhren die Dorfbewohner im Schutz der Dunkelheit mit ihrem Mofa zum Besuch von Sex- und Pornofilmen vor.
Den Stilwechsel läuteten die neuen Kinobesitzer 1984 ein. Umfangreiche Umbau- und Renovierungsarbeiten 1981 nach den Ideen und Wünschen von Elisabeth Flott machten das Kino zu einem echten Filmtheater, eben zum Nobelkino des Landkreises Günzburg. Die Einrichtung des Lichtspielhauses weicht von der Norm ab und steht im wohltuenden nostalgischen Gegensatz zu modernen Minikinos. Die 129 Plätze werden durch kleine Lämpchen beleuchtet, auf einer Tischleiste kann der Besucher Getränke und Knabberzeug abstellen. Die floral dekorierten Wände geben dem Kino auch bei Licht Charme, was besonders bei Veranstaltungen ins Gewicht fällt. Dafür steht auch eine kleine Bühne vor der Leinwand zur Verfügung . Sehr bald schon wurde das Kino in den 80-er Jahren als Talentbühne genutzt, denn Werner Flott hatte sich inzwischen als kleiner Privat -TV-Sender mit Sendelizenzen (Spartenanbieter) in den Kabelnetzen Ludwigshafen ( dem Ort des Urknalls des gesamten Privatfernsehens ) und in Berlin etabliert, wo er eine Sendereihe „Talente vor der Kamera“ ausstrahlen ließ. Eine der Talente war die damals 16-jährige Diana Damrau, die in Offingen ihren ersten Fernsehauftritt hatte. Heute ist sie eine bekannte Opernsängerin und auf den bedeutendsten Bühnen der ganzen Welt im Einsatz.
Gegenwärtig sind etablierte Künstler der Kleinkunst und des Kabaretts – unter anderem die Mehlprimeln - regelmäßige Gäste.
Das noble Ambiente des Kinos wird aber in erster Linie für filmische Events genutzt.
1989 wurden die „ Offinger Filmtage “ als Gemeinschaftsveranstaltung der Volkshochschule Günzburg mit Ihrer Außenstelle Offingen , der Marktgemeinde Offingen und den Donaulichtspielen selbst ins Leben gerufen.

In jedem Jahr am letzten September-Wochenende werden vier Filme an vier aufeinander folgenden Tagen unter einem bestimmten Motto gezeigt. Unter dem Motto „Kultfilme“ waren die Cineasten aufgerufen, entweder selbst etwas zum Filminhalt beizutragen oder mit entsprechender, adäquater Kleidung zu erscheinen, um damit den Eintritt auf nur 1 DM zu drücken. So kamen sie zum Film „Casablanca“ mit Humphrey Bogart mit Hüten oder sie spielten das Lied vom Tod auf der Mundharmonika. Viele junge Damen kamen leichtbekleidet in Strapsen und Netzstrümpfen zum Film „The Rocky Horror Picture Show“ und gingen auch während der Vorstellung außer Rand und Band zur Sache.

Das Kino nimmt zwischenzeitlich beim Publikum einen gewissen „Kultstatus“ ein. Nicht zuletzt schätzt man die anspruchsvolle aber auch ausgewogene Filmauswahl, die bereits zu mehreren staatlicher Prämiierung des qualitativ herausragenden Jahresfilmprogramms geführt hat. Ein Kino eben für die ganze Familie.
Einige Textstellen wurden aus einem Artikel des Schwaben Echo entnommen. Die Autorin dieses Artikels war Frau Gertrud Adlassnig.